Farbenfrohe Sicht: Warum die Könige der Lüfte besser sehen

Unfassbar und regelrecht beneidenswert: die Sehfähigkeit der Greifvögel. Vögel machen nicht nur unsere Welt farbenfroher, sie sehen auch selbst wesentlich bunter als Menschen. Sie können nicht nur ultraviolettes Licht wahrnehmen, sondern verfügen in ihrer Netzhaut über zusätzliche Photorezeptoren, die im UV Bereich besonders empfindlich sind. Dieses hoch entwickelte Sehvermögen wird von der Natur für mehrere Zwecke genutzt; zum Beispiel zur Tarnung oder zur Signalgebung. Auch für die Partnersuche ist das wichtig: Viele Arten haben unterschiedliche Muster im Gefieder, die nur im UVBereich sichtbar sind. So können die Tiere den passenden Partner schon von weitem erkennen. Für das menschliche Auge sind diese Merkmale nicht auszumachen. Auch bei der Futtersuche hilft die UV-Sicht. Viele Früchte und Beeren reflektieren das Licht je nach Reifezustand unterschiedlich und machen so deutlich, wo es Futter gibt – gerade im Herbst und Winter ist dies überlebenswichtig!

Für Greifvögel sind es eher die leuchtenden Spuren von Mäuse-Urin, die sie beim Überfliegen von Feldern und Wiesen zu ihrer Beute locken. Aufgrund dieser »Mäusestraßen« wissen Bussarde und Turmfalken, wo sich das Ausharren in der Luft oder auf einem Ansitz lohnt. Während die meisten Vögel tagaktiv sind, gibt es natürlich auch Nachtjäger. Eulen haben deshalb mehr Stäbchen als Zapfen in ihrer Retina, weil sie diese lichtempfindlichen Sehzellen in der Dunkelheit brauchen. Die Augen selbst sind unbeweglich, aber weil die Eule ihren Kopf um bis zu 270° drehen kann, entgeht ihr trotzdem nichts. Auch alle anderen Vogelarten haben durch ihre 15 Halswirbel den Weitblick für die Beutejagd: Sie können ihren Kopf über 180 Grad drehen und verfügen somit über eine hilfreiche Veranlagung. Das hoch entwickelte Sehvermögen von Vögeln ermöglicht es ihnen, ihre Beute beim Jagen aus über drei Kilometern Höhe zu sichten. Nicht nur aus einer größeren Entfernung können die Raubvögel besser sehen, ebenso nehmen sie alles um einiges schärfer wahr als der Mensch. Dieses Können hat als Ursache, dass ihre Netzhaut drei bis vier Mal größer in ihrem Umfang ist und außerdem zwei Sehgruben umfasst. Diese beiden Sehgruben geben den sogenannten »Greifern« die Begabung, sowohl nach vorne zu schauen, als auch seitwärts alles wahrzunehmen und so ihr Blickfeld um ein Vielfaches zu erweitern.

Die enthaltenen Sehzellen in ihren Augen geben Falke & Co. die Fähigkeit, bis zu achtmal schärfer zu sehen als der Mensch. Durch dieses Können werden die Augen beim Falken und bei seinen Artgenossen zu einem wichtigen Körperteil. Dieses will daher außerordentlich geschützt werden.

Die Sehorgane der Greifvögel haben Schutzmechanismen
Naturgegeben haben die Sehorgane der Greifvögel besondere Schutzmechanismen: Anders als beim Menschen wird das normale Augenlid durch eine transparente Nickhaut, auch genannt »drittes Augenlid«, nochmals geschützt und kann bei Gefahr vor den empfindlichen Augapfel gezogen werden. Ein weiterer Vorteil dieser Zusatzhaut ist, dass diese die darunterliegende Hornhaut in regelmäßigen Abständenreinigt und durch die Befeuchtung vor dem Austrocknen des Auges schützt. Bei vielen Greifvögeln unterstützt zudem ein Knochenvorsprung an der Augenhöhle den Schutz der wichtigen Organe.