Ein facettenreiches Tier: die Libelle

Sie ist ein hochinteressantes Insekt, welches wir für diese Ausgabe der Augenoptiker Umschau unter die Lupe nehmen. Der genaue Blick lohnt sich also.

Nach der Begattung erfolgt die Eiablage meist in einem Gewässer. Bis zu 30.000 winzigkleine Einzelaugen sind hier im Einsatz.

Um an den Anfang zu gelangen, müssen wir diesen Blick zunächst weit in die Vergangenheit richten. Libellen leben nämlich schon seit mehr als 250 Millionen Jahren auf diesem Planeten – so gut wie unverändert im Körperbau – was den Rückschluss zulässt, dass sie mit diesem wohl eine sehr gute Überlebensstrategie entwickelt haben. Tatsächlich sind sie einfach nur kleiner geworden, ansonsten aber nahezu unverändert. Von mehreren Tausend bekannten Arten weltweit kommen in Deutschland ca. 78 vor.

Was ist denn charakteristisch für die Libelle? Na, ihre Augen – die haben es uns angetan. Aber bevor wir uns ihnen widmen, geben wir noch einen kurzen Steckbrief dieses außergewöhnlichen Insektes aus:
• Aus dem Ei schlüpft die Larve, sie lebt hierzulande von ca. drei Monaten bis zu fünf Jahren. Das durchschnittliche Leben einer Libelle dauert hingegen nur wenige Wochen an.
• Die Larve lebt im Wasser und krabbelt zum Schlüpfen an Land.
• Die Libelle ist in feuchten Waldgebieten, Mooren und an Bachläufen zu Hause.
• Ihre maximale Fluggeschwindigkeit liegt bei ca. 40 bis 50 km/h.
• Als Jäger provoziert sie gezielt Zusammenstöße mit ihrer Beute, die sie nach Aufprall an ihrer gepanzerten Brust anschließend fängt.
• Ihre beiden Flügelpaare kann sie unabhängig voneinander bewegen und ist so in Lage, in der Luft anzuhalten. Manche Arten können sogar rückwärts fliegen.

Kommen wir zu den Facettenaugen der Libelle: Sie wirken beim schnellen Hinschauen zunächst wie ein Schutzhelm. Doch weit gefehlt. Bis zu 30.000 winzigkleine Einzelaugen – sogenannte Ommatidien – sind hier im Einsatz. Wie ein Mosaik setzten sie sich zusammen und verleihen der Libelle ein recht futuristisches Aussehen. Diese Ommatidien sind länglich. Ihre äußeren Enden, über die die Libelle Lichtreize empfängt, sind etwas dicker. Sie bestehen jeweils aus einer Chitinlinse mit darunterliegendem Kristallkegel, der die Lichtimpulse über Sehstäbchen und Nervenfasern an das Gehirn weiterleitet.

Zum unteren Ende werden die Ommatidien keilförmig schmaler. Facettenaugen haben eine begrenzte räumliche Auflösung. Auch ist die Empfindlichkeit geringer als bei Linsenaugen (wie beispielsweise beim Menschen), da der Lichteinfall auf einer viel kleineren Fläche – nämlich auf einem Ommatidium – und nicht auf einer kompletten Linse stattfindet. Spannend sind auch die drei zusätzlichen Punktaugen der Libelle. Sie sitzen zwischen den beiden großen Facettenaugen und heißen Stirnocellen. Man geht davon aus, dass sie ihr helfen, sich zu orientieren und bei schnellen Flügen das Gleichgewicht unterstützen.

Festhalten können wir also, dass unsere hiesigen Libellen vielleicht nicht über den schärfsten Blick in der Tierwelt verfügen, aber überall, wo sie auftauchen, ein bunter Hingucker sind.